Donnerstag, 28. März 2019, 9:00–15:45 Uhr, ZHG, Hörsaal 105

Objektdigitalisierung: Methoden und Perspektiven

Leitung: Stephan Hoppe, München / Martin Langner, Göttingen

Im Zentrum der Sektion steht Objektdigitalisierung als Bestandteil einer intensiven Materialerschließung, mit dem Ziel, die Voraussetzungen für die historische Wahrnehmung der Objekte im Sinne einer Mikrohistorie („Dinggeschichte“, „Objektbiografie“) zu bestimmen und die damit verbundenen Schematisierungen und ihren wissenschaftlichen Nutzen zu reflektieren. Die Herausforderungen der Objektdigitalisierung, die diskutiert werden, betreffen v. a. drei Bereiche:
1. Methodendiskussion der Digitalisierungsverfahren: Wie lässt sich die materielle Qualität eines Artefakts umfassend dokumentieren und standardisieren? Welches Verfahren ist für das jeweilige Objekt angemessen? Wie lassen sich die Verfahren automatisieren, ohne auf konservatorische und restauratorische Sorgfalt zu verzichten?
2. Analysemöglichkeiten: Welche Forschungsfragen lassen sich mit der Digitalisierung verfolgen? Wie und in welchem Umfang sind formanalytische Ansätze durch die Digitalisierung stringenter nachvollziehbar? Lassen sich Artefakte mit digitalen Methoden der Musterkennung nonverbal erfassen und in welcher Exaktheit? Welche neuen Erkenntnismöglichkeiten ergeben sich aus der Digitalisierung?
3. Auswirkungen auf das kunsthistorische Arbeiten: Welche hermeneutischen Implikationen, die durch die Veränderungen der digitalen Arbeitsweise bedingt sind und den Objektwissenschaften gleichermaßen veränderte Sehgewohnheiten abverlangen, bringt die Objektdigitalisierung mit sich? Welche Veränderungen haben sich bereits im Umgang mit digitalen Visualisierungen ergeben? Was lässt sich daraus für die Zukunft fordern?
Die Vorträge stellen an signifikanten Best-Practice-Beispielen Lösungswege bei der Objektdigitalisierung vor und problematisieren Metadaten und Klassifikationssysteme. Sie befassen sich aber auch mit grundsätzlichen Fragen des Medienbruchs zwischen Bildwerk/Objekt, Text und Zahlenwerten und diskutieren annotierte Digitalisate als Objekte sui generis.

Kurzbiografie Stephan Hoppe
1987–1994Magisterstudium der Kunstgeschichte, Mittleren und Neueren Geschichte, Theater- Film- und Fernsehwissenschaft und Geographie in Köln, Bonn und Berlin
1996Promotion an der Universität zu Köln („Die funktionale und räumliche Struktur des frühen Schloßbaus in Mitteldeutschland. Untersucht an Beispielen landesherrlicher Bauten der Zeit zwischen 1470 und 1570“)
1998–2006Wiss. Mitarbeiter, dann Hochschulassistent am Lehrstuhl für Baugeschichte der Universität Dortmund, anschl. am Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln
2007–2009Stipendiat der Fritz-Thyssen-Stiftung am Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln (Forschungsarbeit zu Architekturzeichnungen der nordalpinen Renaissance)
2009Habilitation an der Universität zu Köln („Die imaginierte Antike. Bild- und Baukonstruktionen architektonischer Vergangenheit im Zeitalter Jan van Eycks und Albrecht Dürers“)
seit 2010Professor für Kunstgeschichte mit besonderer Berücksichtigung der Bayerischen Kunstgeschichte (sowie Architekturgeschichte und Digitale Kunstgeschichte) an der LMU München
seit 2012Ordentliches Mitglied des Instituts für Bayerische Geschichte der LMU München
Forschungs- bzw. Arbeitsschwerpunkte Kunst des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit; höfische Kunst- und Architektur in Mitteleuropa; Bildmedien der Architektur; digitale Kunstgeschichte; Deckenmalerei in Mitteleuropa der Renaissance und des Barock
Publikationsauswahl
  • Was ist Barock? Architektur und Städtebau Europas 1580–1770, Darmstadt 2003.
  • (hg. mit Frank Büttner, Meinrad von Engelberg und Eckhard Hollmann): Geschichte der bildenden Kunst in Deutschland, Bd. 5: Barock und Rokoko, München/Berlin/London/New York 2008.
  • Northern Gothic, Italian Renaissance and beyond. Toward a ‘thick’ description of style, in: Monique Chatenet (Hg.), Le Gothique de la Renaissance, Paris 2011, S. 47–64.
  • Architectonic parity. The coordinated apartments of ruling princes and princesses in German court residences, 1470–1547, in: Monique Chatenet und Krista De Jonge (Hgg.), Le prince, la princesse et leurs logis, Paris 2015, S. 159–176.
  • German Architectural Models in the Renaissance (1500–1620), in: Sabine Frommel (Hg.), Les maquettes d’architecture. Fonction et évolution d’un instrument de conception et de réalisation, Paris 2015, S. 131–142.
Kurzbiografie Martin Langner
1987–1997Studium der Klassischen Archäologie und Klassischen Philologie in Köln
1997Promotion an der Universität Köln („Antike Graffitizeichnungen. Motive, Gestaltung und Bedeutung“)
1997–1998Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts
1998–2000Stipendiat am DAI Rom zur Stadtkultur der Kaiserzeit
2000–2003Wiss. Mitarbeiter (Eigene Stelle) an der Universität Göttingen
2003–2012Wiss. Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin
2012Habilitation an der FU Berlin („Meisterwerk und Massenware. Chronologie, Dekor und Funktion spätrotfiguriger Bildervasen aus Athen“)
2012–2013Leitung der Arbeitsstelle Digitale Archäologie (CoDArchLab) der Universität zu Köln
seit 2013Professor für Klassische Archäologie und ihre digitale Methodik in Göttingen
Forschungs- bzw. Arbeitsschwerpunkte Kontextuelle Bildanalyse (v. a. griech. Vasen, röm. Wandmalerei und Relief); digitale Bild- und Objektwissenschaft (3D Shape Analysis, Virtual Museums); Erforschung materieller Alltagskultur der Antike
Publikationsauswahl
  • Antike Graffitizeichnungen. Motive, Gestaltung und Bedeutung (Palilia 11), Wiesbaden 2001.
  • Szenen aus Handwerk und Handel auf gallo-römischen Grabmälern, in: Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts 116 (2001), S. 297–354.
  • Übersetzungsleistungen antiker Bildproduzenten. Überlegungen zu aktuellen Positionen der archäologischen Bildanalyse, in: Saeculum. Jahrbuch für Universalgeschichte 67 (2017), S. 67–101.