Ausschreibung

XXXVI. Deutscher Kunsthistorikertag
Universität Stuttgart, 24.–28.03.2021

Call for Sessions

 

Ausschreibung
für die Leitung einer Sektion des 36. Deutschen Kunsthistorikertages

Der Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V. veranstaltet gemeinsam mit dem Institut für Kunstgeschichte der Universität Stuttgart und seinen Kooperationspartnern, dem Institut für Architekturgeschichte sowie der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, den 36. Deutschen Kunsthistorikertag, der vom 24. bis 28. März 2021 in Stuttgart unter dem Motto FORM FRAGEN stattfinden wird.

Die Frage nach der Form ist eine der grundlegendsten unserer Disziplin, gleichzeitig eine der umstrittensten: Ist Form der Kern jeglicher künst­le­ri­schen Arbeit, und sollte sie deshalb auch im Zentrum der Kunst­ge­schich­te stehen? Oder führt der Fokus auf die Form zu einer inhaltlichen Entleerung, zu einer Reduktion auf Formfragen? Fragen wie diese begleiten das Fach Kunstge­schich­te seit seiner Entstehung. Wir möchten das Thema Form für eine Standort­bestimmung unserer Disziplin nutzen, denn Form ist nicht nur ein Kern­be­griff der Kunst­geschichte, sondern weist auch weit über Fächer­grenzen hinaus, realisieren sich Formen doch niemals jenseits gesell­schaft­licher Zusam­men­hänge. Formen stehen in Relation zu Normen und damit zu Ideo­lo­gie, Politik, Gesellschaft, Wissenschaft, Technik, Ästhetik. Vor diesem Hintergrund möchten wir den 36. Deutschen Kunst­his­to­riker­tag für eine Revision des Form­begriffs nutzen. Unser Anliegen ist keineswegs, dass sich der Kunsthistorikertag ‚bloßen Formfragen‘ widmet, sondern dass das kritische Potential des Begriffs die Diskussion befeuert. Wurde der Form­ana­lyse vor­ge­wor­fen, sie führe per se zu einem politisch gefährlichen Essentialismus, so stellt sich heute die Frage, wie das Ver­hält­nis von Formfrage und Politik – sowie damit einhergehende Vorstellungen von ‚natürlichen‘ und ‚künstlichen‘ Formen – zu denken ist. Brauchen wir in Zeiten von gesellschaftlichen Spannungen und Zerwürfnissen viel eher eine neue Sensibilität für die Form? Was bedeutet die zunehmend informelle Kommunikation in den digitalen Medien für den Status der künstlerischen Form?

Wir möchten die Kolleginnen und Kollegen aus allen Bereichen des Faches zum Kunsthistorikertag nach Stuttgart einladen, um mit uns über die Form nachzudenken, über ihre Relevanz in unserer alltäglichen Arbeit, über die Geschichte des Form­begriffs und seine Implikationen für heutige Methoden und Praktiken, über Formprozesse in historischer und aktueller Per­spek­tive und über die Frage, wie mit Begriff und Bedeutung der Form in verschie­denen Sprach- und Kulturräumen umgegan­gen wird. Wie sind Formfragen im Museum vermittelbar? Wie gehen wir als Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker mit Form­auf­lösungen und Zerfall um, etwa mit der Veränderung der Gegen­stände und Bauwerke in der Zeit? In welcher Form möchten wir sie er­hal­ten, wie stehen wir zu Rekonstruktionen der Form?

Bisher wurde der Formbegriff meist gegen sein dialektisches Ge­gen­über ausgespielt: gestaltete Form gegen bloßes Material oder Inhalt gegen reine Form, die politische Wirksamkeit von Formen gegen ihr Versagen gegenüber der gesellschaftlichen Realität, Form als das Geistige oder als sein Gegenteil. Wir fragen uns: Wie können wir Form­fragen ernst nehmen, ohne in einen Formalismus zurückzufallen? Wie können wir über Form sprechen, ohne einen Gegen­satz zum Inhalt zu konstruieren? Welche Techniken bedingen welche künstle­ri­schen Formen und vice versa? Welchen Stel­lenwert haben das Formlose und die Deformation in der Reflexion über die Form? Wie entkommen wir den schon aus der Antike stammenden Implikationen von männlicher Form und weiblicher Materie? Wie können wir Form in der vormodernen Kunst thematisieren, wenn der kunst­histori­sche Formbegriff ein Kind der Moderne ist? Und inwie­fern kann die Kunstge­schich­te hierbei von aktuellen methodi­schen An­sätzen profitieren, die solche Antagonismen überwinden?

Mit dem Motto des Stuttgarter Kunsthistorikertages FORM FRAGEN beziehen wir uns auch auf die Ausstellung „Die Form“, die 1924 in Stuttgart vom Deutschen Werkbund veranstaltet wurde. Wenn in den 1920er Jahren die Hoffnung herrschte, durch die ‚gute Form‘ nicht nur eine neue Kunst zu begründen, sondern auch eine neue Gesellschaft zu formen, so ist heute der gesell­schaftli­­che Ort von Kunst und Kunst­ge­schichte un­ge­wis­ser. Die technisch orientier­te Universität Stuttgart als Austra­gungs­ort bietet sich an, um auch über die technischen und funktionalen Bedin­gun­gen von Formen nachzudenken und erhält durch die Zusammenarbeit mit der Architek­tur­fakultät und der Akademie der Bildenden Künste weitere Impulse. Nicht zuletzt ist mit der reichen Museumslandschaft Stuttgarts inspirieren­des Anschauungs­material zu Formfragen geboten.

Vier Sektionen werden öffentlich ausgeschrieben. In einem ersten Schritt laden wir daher alle Kolleginnen und Kol­legen ein, uns Vorschläge für eine Sektion zukommen zu lassen. Wir freuen uns über Sektions­bewerbungen aus allen Arbeits­gebieten des Faches, die in historischer oder systematischer Perspek­tive Fragen an die Form stellen, die Geschichte des Form­begriffs beleuchten, seine Relevanz für die kunsthistori­sche Methodik erörtern oder konkrete Formprobleme thema­tisieren.
Der Vorstand des Verbandes und das Stuttgarter Ortskomitee werden Ende November beraten und eine Auswahl aus den ein­­ge­sandten Vor­schlägen treffen, wobei ihre Qualität die wesent­liche Ent­schei­dungs­grund­lage bildet. Bei inhalt­li­chen Über­schnei­dungen behält sich das Organisationskomitee vor, die überzeugendste Einreichung aus­zu­wäh­len. Im Idealfall werden die Sektionen von Kolleginnen und Kollegen initiiert und geleitet, die in verschiedenen Berufs­gruppen tätig sind.

Die ausgewählten Sektionen werden ihren Call for Papers im Frühjahr 2020 veröffentlichen können. Pro Sektion sind vier Referate vorgesehen.

Bitte reichen Sie Ihren Sektionsvorschlag in der Geschäftsstelle des Verbandes spätestens bis zum 18. No­vem­ber 2019, 18:00 Uhr, per E-Mail an in folgender Form ein:

  • Exposé von max. 2.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) als PDF-Datei
  • in einer separaten PDF-Datei Ihre Kurzbiografie (max. 1.200 Zeichen) und Ihre Kontaktdaten sowie ggf. die Kurzbiografie und Kontaktdaten einer Co-Sektionsleiterin / eines Co-Sektions­leiters.

Von den Leiterinnen und Leitern einer Sektion wird erwartet, dass sie – sofern eine kunsthistorische Ausbildung vorliegt und sie im Inland ansässig sind – spätestens zu Beginn des Kongressjahres Mitglieder des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker sind.

Für Rückfragen zur Sektionsausschreibung wenden Sie sich bitte an die Geschäftsstelle des Verbandes unter .